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Wir haben eine Meise!
Das war der "Anfang allen Übels", als wir im Frühjahr 2006 entdeckten, dass unser Briefkasten von einer Kohlmeise bewohnt wurde. Zuerst fanden wir kleine Stückchen Moos und winzige Halme im Briefkasten und vermuteten, diese wären vom Sturm durch die doch relativ große Öffnung des Briefkastens hineingeweht.
Wenige Tage später, der Sturm war mittlerweile über alle Berge, war aber immer mehr von diesem Zeugs im Briefkasten. Und so legten wir uns auf die Lauer, um herauszufinden, wer denn da ein Spielchen mit uns trieb.
Tja, wir staunten nicht schlecht, als sich herausstellte, dass der Verursacher eine Kohlmeise, bzw. ein Kohlmeisenpärchen war. Wir waren uns sofort und ohne Worte einig, dass dies eine einmalige Gelegenheit war, das Verhalten unserer geflügelten Mitgeschöpfe genauer unter die Lupe zu nehmen.
Fazit: Der Briefkasten wurde für die Post gesperrt, seine Zweckentfremdung toleriert und "unser Untermieter“ durfte bleiben.
Nun begann eine aufregende Zeit. Der Nestbau wurde zügig und effizient angegangen und das Nest wuchs von Tag zu Tag. Es war unglaublich, was da so alles angeschleppt wurde. Da ein paar Meter entfernt vom Briefkasten ein Hühnerstall war, lohnte es sich für die Meisen, sich dort die passende Inneneinrichtung zusammenzustellen. Endlich war das Nest fertig.
Moos, Stroh und Blätter dienten als Unterlage und der krönende Abschluss bestand aus einer Menge Hühnerfedern (natürlich nur die Daunen, denn „Frau Meise“ will es ja weich und bequem haben). Außerdem konnte sie das Gelege mit den Federn bedecken, wenn sie unterwegs war. So hätte ein potentieller Eierdieb möglicherweise getäuscht werden können.
Es dauerte nicht mehr lange und wir fanden das erste Ei im Briefkasten und jeden Tag kam dann in den Morgenstunden ein weiteres dazu. Nach dem neunten Ei begann das Kohlmeisenweibchen zu brüten und wurde vorbildlich von ihrem „Gatten“ mit Raupen, Fliegen und anderen Insekten versorgt.
Dann kam der Zeitpunkt, als die Küken schlüpften und nun hieß es, noch mehr Futter heranzuschaffen. Keine leichte Aufgabe, neun kleine Schnäbel und noch einen großen zu versorgen. In den ersten Tagen nach dem erfolgeichen Schlupf aller Küken, konnte sie das Nest nicht über einen längeren Zeitraum verlassen, sondern erst, als die Kleinen nicht mehr die ständige Wärme von „Muttern“ benötigten.
Je weiter sich die Küken entwickelten, desto größer wurde ihr Hunger. In der „heißen“ Endphase vor dem Ausflug, fütterten beide Elternteile im Minutentakt. Manchmal dauerte es sogar nur 30-40 Sekunden, bis der nächste Schnabel gestopft wurde. Der Stress und die Anstrengung waren Mutter und Vater deutlich anzusehen und Futter derart im Akkord herbeizubringen, ist schon eine großartige Leistung. Der Lohn für all die Mühe, waren letztlich neun Jungmeisen, die alle flügge wurden und uns unseren Briefkasten, wenn auch nicht gerade besenrein, übergaben.
Somit konnte der Briefkasten wieder seiner eigentlichen und langweiligen Bestimmung, nämlich dem Horten von Rechnungen und Werbung, zugeführt werden. So dachten wir zumindest. Doch ungefähr 3-4 Wochen später ging alles wieder von vorne los und frei nach dem Motto: "Und täglich grüßt das Murmeltier" wurden wir Zeugen einer erfolgreichen zweiten Brut.
Diesmal waren es acht Minimeisen, die alle den Flug ins Leben schafften. Auch im Jahr 2007 zogen die Kohlmeisen in zwei Brutperioden erfolgreich ihre Jungen in unserem Briefkasten groß, unterstützt von uns, indem wir Federn unserer Kissen und unsere Haare spendierten, die auch gerne zum Nestbau angenommen wurden. In diesem Jahr kam es sogar noch zu einer dritten Brut mit acht Eiern, die allerdings kein erfolgreiches Ende fand, denn aus uns unbekannten Gründen wurde das Gelege aufgegeben.
Auch 2008 durften wir "unsere" Untermieter willkommen heißen und ihr Timing war einfach perfekt, denn pünktlich zu unserem eigenen Umzug war der Briefkasten frei und wir konnten ihn in unser neues fränkisches Domizil mitnehmen.
Seit 2006 sind wir bekennende Meisenfans und versuchen dem Federvieh so gut es geht, unter die Flügel zu greifen. Schon ein mit Wasser gefüllter Blumentopfuntersetzer auf unserem Balkon ist an heißen Tagen ein gern und oft besuchter Ort für die Singvögel und manch anderen Gästen. Somit hat man sein ureigenes „Tier-TV“ direkt vor der Nase und der Anblick der planschenden Vögel ringt auch dem traurigsten Tag ein Lächeln ab.
Im Gegensatz zu den „friesischen“ Meisen hat sich unter den „bayrischen“ –T’schuldigung – „fränkischen“ Meisen die Behaglichkeit unseres Briefkastens noch nicht herumgesprochen, da dieser bislang weder zur Brut noch zur Übernachtung genutzt wurde. Sind wohl ein wenig konservativ, die fränkischen Vögel.
Wir vermuten, dass es hier in der Umgebung, anders als in Schleswig-Holstein, ausreichend Wald und somit auch genügend natürliche Nisthöhlen für die Meisen gibt. Sogar die selbstgebaute Nestbox, die wir letztes Jahr für die Höhlenbrüter anbrachten, steht leer. Allerdings sind wir deshalb nicht enttäuscht. Wir sehen es eher positiv und denken uns, das es ein gutes Zeichen ist, wenn die Meisen und Co. keine künstliche Nisthilfe benötigen.
Wie man übrigens schnell und einfach einen Nistkasten bauen kann, findet ihr auf diesen Seiten erklärt. Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch, nach dem Lesen unserer Geschichte Lust bekommen, das liebe Federvieh mal näher unter die Lupe nehmen. Wir beide planen jedenfalls, uns im nächsten Jahr eine Webcam anzuschaffen, um die badenden Vögel im Sommer oder die Fütterung im Winter eventuell live übertragen zu können. Der „Sendetermin“ dieser „Weltpremiere“ wird an dieser Stelle noch bekannt gegeben.